Gewinner EDGAR 2026 | Winner EDGAR 2026

RONDALLAS – SO KLINGT DAS LEBEN

Regie: Daniel Sánchez Arévalo
Spanien 2025

Laudatio JUROR RAINER BOCK

Da ich ja über ein gerüttelt Maß an Zeit an deutschen Theatern verbracht habe, wurde ich früh mit dem Genre der Tragikomödie konfrontiert, vor allem in den Werken von Anton Tschechow. Dieser scheinbare Widerspruch Tragik-Komödie – das sich aber doch bedingende Gegensatzpaar, wenn es darum geht, zutiefst zu berühren mit Lachen und Weinen – damit kann man mich sehr gut kriegen. Um so mehr, wenn hervorragende Schauspielerinnen und Schauspieler ihren Beruf so verantwortungs- und hingebungsvoll verstehen und ihn dementsprechend ausüben wie in diesem Film. Wie diese Filmschaffenden in der Lage sind, in beschränkten Räumen Kosmen entstehen zu lassen – in einem Polizeiauto, in einem 1Zimmer-Wohn-Schlaf-Arbeits-Gesprächs-Umarmungsraum, auf einer zunächst leeren Parkfläche, in einer Fischverkaufshalle, auf einem motorisierten Boot, an einer Gedenktafelwand auf einem Friedhof, und in und an vielen weiteren alltäglichen und außergewöhnlichen Orten der menschlichen Begegnungsmöglichkeit und die Art und Weise, wie sich dann dort begegnet wird – das erfüllt mein Herz mit großer Wärme und einer Sehnsucht nach einer Zeit, die war und mir manchmal abhanden zu kommen scheint. Das alles schafft dieser Film ohne den Hauch von Zynismus oder der Banalität des Besserwisserischen. Und ihm gelingt in der filmischen Herangehensweise das kleine Wunder der Erlösung ohne jemals kitschig zu sein – in einer Form der Bewusstmachung ohne Oberlehrerattitüde. Das sinnliche Erleben der Schauspielkunst erwähnte ich eingangs bereits. Es ist mir eine Riesenfreude und große Ehre, dem spanischen Regisseur Daniel Sánchez Arévalo und seinem Cast und seiner Crew zum EDGAR der HEIMAT EUROPA Filmfestspiele Simmern 2026 für den „Besten modernen Heimatfilm“ für seinen Film RONDALLAS – SO KLINGT DAS LEBEN zu gratulieren.

Laudatory Speech JUROR RAINER BOCK

Having spent a considerable amount of time in German theaters, I was introduced early on to the genre of tragicomedy—particularly through the works of Anton Chekhov. That apparent contradiction—tragedy and comedy, yet a pair of opposites that rely on one another to deeply move us through both laughter and tears—is something that truly captivates me. All the more so when outstanding actors approach their craft with such responsibility and dedication, and practice it as brilliantly as they do in this film. The way these filmmakers conjure up entire worlds within confined spaces—inside a police car; in a single room serving as living, sleeping, working, talking, and embracing space; on a barren parking lot; in a fish market; on a motorboat; by a memorial wall in a cemetery; and in countless other ordinary yet extraordinary settings where human encounters take place—fills my heart with great warmth and a longing for a time that once was, and which sometimes seems to be slipping away from me. The film achieves all this without a trace of cynicism or the banality of a know-it-all attitude. Through its cinematic approach, it pulls off the small miracle of redemption without ever veering into kitsch—fostering awareness without ever sounding like a schoolmaster. I have already mentioned the visceral experience of the acting itself. It gives me immense joy and is a great honor to congratulate the Spanish director Daniel Sánchez Arévalo, along with his cast and crew, on winning the EDGAR award for „Best Modern Heimat Film“ at the 2026 HEIMAT EUROPA Film Festival in Simmern for his film RONDALLAS – SO KLINGT DAS LEBEN.